Danijel Rakovic hat Anfang November 2025 eine Lehre als Entsorgungs- und Recyclingfachkraft bei MGG Polymers begonnen. Mit 35 Jahren ist er bedeutend älter als der klassische Lehrling in Österreich. Im zweiten Bildungsweg verwirklicht er sich das, was ihm wichtig ist: ein Job mit Sinn und Zukunft.

Für Danijel Rakovic macht es Sinn, Stoffe zu verwerten, anstatt zu entsorgen. Am Extruder wurde er bereits eingeschult.
Schon seit geraumer Zeit hatte die Geschäftsleitung von MGG Polymers den Wunsch, im Rahmen einer Lehre eine Entsorgungs- & Recyclingfachkraft selbst auszubilden. Obwohl das Unternehmen mit der freien Lehrstelle in der Vergangenheit aktiv an die Öffentlichkeit gegangen ist, konnte diese nicht besetzt werden. Bis im Herbst letzten Jahres Danijel Rakovic auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle auf eine der Anzeigen gestoßen ist und bei Polymers vorstellig wurde. Eine seiner ersten Fragen war, ob man diese Lehre auch im zweiten Bildungsweg absolvierten könnte. Der Hintergrund: Danijel Rakovic war mit 35 Jahren auf der Suche nach einer neuen, beruflichen Herausforderung und hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Lehre zur Entsorgungs- und Recyclingfachkraft zu absolvieren. Er wurde zu einem persönlichen Kennenlernen nach Kematen an der Ybbs eingeladen, am darauffolgenden Tag bekam er die Zusage und am 3. November 2025 hat er die Lehrstelle angetreten.
Warum eine Lehre mit 35?
Danijel absolvierte nach seiner Schulausbildung eine Lehre zum Koch und arbeitete insgesamt acht Jahre in der Gastronomie. Da sowohl die Arbeitszeiten als auch die Bezahlung in der Branche nicht besonders ansprechend sind, nahm er, als sich die Möglichkeit bot, einen Produktions-Job bei Haribo in Linz an. Nach einem Zwischenstopp im Chemiepark Linz kam er schließlich durch persönliche Vermittlung zur Firma Hasenöhrl und dort erstmals in Kontakt mit den Themen Abfallwirtschaft und Recycling. Die Materie weckte sein Interesse und er entwickelte sich innerhalb des Betriebes kontinuierlich weiter. Er startete bei der Müllabfuhr, arbeitete am Platz mit Bagger und Shredder und bekam schließlich seine eigene Abteilung zum Recyceln von Dämmwolle. Er hatte, schien es, seinen Platz in der Arbeitswelt gefunden, bis ein schwerer Bandscheibenvorfall dieser Tätigkeit ein jähes Ende setzte und ihn zu einer einjährigen Auszeit zwang. In dieser Zeit reifte der Gedanke, etwas Neues zu machen. Nach seiner Genesung kam er über das AMS mit dem Lehrberuf Entsorgungs- und Recyclingfachkraft in Berührung. „Für mich war relativ schnell klar, dass ich diesen Beruf erlernen möchte. Ich machte mich auf die Suche nach einer Lehrstelle und wurde bei MGG Polymers in Kematen an der Ybbs fündig“, erzählt er.
„Wir sind froh darüber, einen Lehrling für die vakante Stelle gefunden zu haben. Dass es sich dabei um keinen Jugendlichen, sondern um einen erwachsenen Mann handelt, war im Prinzip so nicht geplant, ist für uns aber letztendlich ein Glücksgriff“, freut sich Polymers-Geschäftsführer Maximilian Hager über den aktuellen Neuzugang. „Da er bereits in der Recycling-Branche gearbeitet hat und mit seiner Lehre nun noch tiefer in die Materie eintauchen möchte, sind wir überzeugt, einen wertvollen und loyalen Mitarbeiter für unser Unternehmen gefunden zu haben, in dem viel Potential steckt.“

Das Labor ist eine der vielen Stationen, die Danijel Rakovic im Zuge seiner Ausbildung durchläuft. Hier führt er gerade eine Feuchtigkeitsmessung durch.
Win-Win – Situation
Wenn ein Betrieb einen 35-Jährigen als Lehrling aufnimmt, birgt das nicht nur Chancen für den Auszubildenden, sondern auch für das Unternehmen. Erwachsene bringen mehr Lebenserfahrung und Verantwortungsbewusstsein mit und können in der Regel schneller in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden. Besonders in einem Recyclingunternehmen, in dem Sicherheitsvorschriften, der Betrieb von komplexen Anlagen sowie der sorgfältige Umgang mit Materialien eine große Rolle spielen, ist diese Reife ein echter Vorteil für alle. Auch wirtschaftlich kann sich die Ausbildung eines Erwachsenen für das Unternehmen lohnen, denn es gibt verschiedenste Fördermittel, die unterstützend beantragt werden können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die langfristige Fachkräftesicherung. Bei Polymers investiert man mit der Ausbildung eines Erwachsenen direkt in den eigenen Fachkräftenachwuchs.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre
Im Normalfall beträgt die Lehrzeit für den Beruf „Entsorgungs- & Recyclingfachkraft“ vier Jahre. Im Fall von Danijel Rakovic konnte sie aufgrund seiner Branchenerfahrung auf zwei Jahre verkürzt werden. Was ihm allerdings nicht erlassen wird, ist die Berufsschule. „Ich muss ganz normal, wie jeder andere Lehrling auch, drei Mal für jeweils zehn Wochen die Schulbank drücken“, erzählt Rakovic. „Ich bin schon sehr gespannt, wie meine Mitschülerinnen und Mitschüler darauf reagieren werden, dass ein etwas älterer Lehrling mit im Klassenzimmer sitzt. Aber da ich ein verträglicher und kommunikativer Typ bin, wird das sicher gut klappen“.
Gut klappt es auch mit den Kolleginnen und Kollegen bei MGG Polymers. Natürlich wurden zu Beginn viele Fragen gestellt. Zum Beispiel warum man mit 35 Jahren eine Lehre macht, wenn man auch ohne eine solche bei Polymers arbeiten kann. Von Beginn an wurde ihm für seine Entscheidung, den zweiten Bildungsweg einzuschlagen, viel Respekt entgegengebracht. Doch nach ein paar Tagen war die Frage nach dem „warum“ vom Tisch. Die Zusammenarbeit funktioniert perfekt und Danijel hat viel Freude an seinem neuen Job.

Noch hat er nicht den gesamten Betrieb kennengelernt. Er wechselt im 2-Wochen-Takt die Stationen.
Noch hat er nicht den gesamten Betrieb durchlaufen. Er wechselt im 2-Wochen-Takt die Stationen, aktuell ist er gerade im Labor, danach warten noch das Lager und die Prozesstechnik auf ihn. Nachdem er den ersten Durchlauf bei Polymers abgeschlossen hat, steht für zweieinhalb Monate die Berufsschule auf dem Programm. „Ich liebe die Abwechslung. Ständig neue Dinge lernen und den eigenen Horizont erweitern, das war es, was ich mir erwartet habe“, freut sich der frisch gebackene Lehrling schon darauf, auch die theoretische Seite seines Berufs kennen zu lernen. Er möchte nach Abschluss seiner Lehrzeit mit seinem erworbenen Wissen eine wertvolle Stütze für seinem Arbeitgeber sein. Er träumt schon heute davon, innovative Neuerungen mitzuerleben oder – besser noch – diese selbst anstoßen und initiieren zu können. „Den gesamten Recyclingprozess im Unternehmen kennenzulernen, mit all den Hintergrundinformationen, das ist mein Ziel.“ Angedacht ist, dass Danijel Rakovic im Laufe seiner Lehrzeit auch die Standorte Metran und Metrec kennen lernt, da sich sein Lehrberuf nicht nur auf das Thema Kunststoff beschränkt. „Es ist ein Glück, dass ich in einem Unternehmen wie der Müller-Guttenbrunn Gruppe lernen darf, das so breit aufgestellt ist“.
Lehre und Privatleben
Privat ist Danijel Rakovic, im Gegensatz zum Großteil seiner jüngeren Lehrlings-Kolleginnen und -Kollegen, für eine Familie verantwortlich. Daher muss er mit seinem Lehrlingsgehalt sorgsam haushalten. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Töchtern (zwei und vier Jahre alt) im oberösterreichischen Asten im Bezirk Linz-Land. Von dort pendelt er täglich nach Kematen an der Ybbs. Gemeinsam managt das Paar sein berufliches wie privates Leben. Die Kinder stehen an erste Stelle und benötigen noch sehr viel Zuwendung. Für Hobbies bleibt im Moment wenig Zeit, aber hin und wieder nimmt er sich ein paar Stunden, um beim Fischen abzuschalten. Wenn er an die Zukunft denkt, fühlt er sich mit seinem neuen Beruf gut aufgehoben. „Recycling wird noch mehr an Bedeutung gewinnen, da ist noch viel Luft nach oben“.
Auch bei MGG Polymers sieht man die Zukunft positiv. „Wir haben lange gesucht, aber es hat sich ausgezahlt. Mit Danijel Rakovic haben wir einen Mitarbeiter gefunden, der mit viel Eigeninitiative und Engagement an die Sache herangeht. Wir freuen uns auf eine lange und gute Zusammenarbeit“, zeigt sich Geschäftsführer Hager mit der Situation sehr zufrieden
