Viele Verbraucher entsorgen ihre Altbatterien und -akkus immer noch im Restmüll, was gravierende Gefahren mit sich bringt. Besonders die hohe Brandgefahr durch Lithium-Ionen-Akkus führt immer wieder zu brenzlichen Situation in den Entsorgungs- und Recyclingbetrieben. Dabei gibt es in Österreich viele Möglichkeiten der sachgemäßen Entsorgung. Aber oftmals fehlt schlichtweg das Wissen darüber, was in den Gegenständen des täglichen Gebrauch enthalten ist und wo Akkus oder Batterien versteckt verbaut sind.

Batterien enthalten wertvolle Rohstoffe wie Zink, Mangan und Nickel, moderne Akkus zudem Lithium, Kobalt und Aluminium. Durch fachgerechtes Recycling lassen sich diese Metalle zu einem großen Teil zurückgewinnen und wiederverwenden.
Unsere moderne Gesellschaft setzt immer mehr auf mobile, smarte und vernetzte Produkte. Akkus ermöglichen Komfort, Flexibilität und kabellose Nutzung. Die Zahl der Alltagsgegenstände, die Strom benötigen, wächst. Problematisch dabei ist, dass viele Batterien und Akkus kaum sichtbar sind. Sie sind fest verbaut, verklebt oder so klein, dass sie beim Entsorgen oftmals gar nicht wahrgenommen werden.
Richtiges Handling erspart böses Erwachen
Angesichts der weit verbreiteten Nutzung von Lithium-Ionen-Akkus ist es unerlässlich, dass Konsumentinnen und Konsumenten für einen bewussten, sorgfältigen Umgang sensibilisiert werden, denn nicht nur die richtige Entsorgung ist wichtig. Bei nicht-sachgemäßer Nutzung bergen diese „smarten Gadgets“ auch während ihrer Nutzung großes Gefahrenpotential in sich. Viele Brände entstehen durch Anwendungsfehler, Beschädigungen oder falsches Laden der Akkus. Die Prävention liegt hier ganz klar in der Eigenverantwortung. Besonders Kinder müssen im Umgang mit diesen Gadgets umfassend aufgeklärt werden.
Sicheres Lagern und sicheres Laden sind Voraussetzung für eine unproblematische Nutzung. Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, sollte man sich mit den wichtigsten Maßnahmen im Brandfall vertraut machen. Es ist höchste Vorsicht geboten, denn durch den Brand können auch giftige Gase freigesetzt werden. Nur bei wirklich kleinen Bränden versuchen, diesen selbst zu löschen. Im Idealfall benutzt man dafür einen Lithium-Feuerlöscher. Ist dieser nicht verfügbar, kann auch Sand oder sehr viel Wasser zum Löschen verwendet werden. Bei größeren Bränden ist unverzüglich zur Eigensicherheit Abstand herzustellen und die Feuerwehr zu alarmieren.
Was blinkt, gehört nicht in den Restmüll

Laut einer Studie der Montanuniversität Leoben werden pro Jahr österreichweit rund 17 Millionen Lithiumbatterien falsch entsorgt und landen im Restmüll. Damit ist die Zahl der nicht sachgemäß entsorgten Batterien in 10 Jahren um 300 % gestiegen (Bild KI-generiert/ChatGPT)
Haben die „elektronischen Spielereien“ ihre Schuldigkeit getan, landen viele davon achtlos in der Mülltonne. Wohl auch deshalb, weil sie oft nicht wie ein klassisches Elektronikgeräte aussehen. Eine Grußkarte mit Musikmodul, blinkende Kinderschuhe, kabellose Kopfhörer oder E-Zigaretten werden häufig als Restmüll betrachtet. Dazu kommt, dass vielen Nutzern nicht bewusst ist, dass auch kleinste Knopfzellen oder Mini-Lithium-Akkus sehr gefährlich werden können. Dass diese Gegenstände oft achtlos in der Mülltonne landen, hat sowohl mit Bequemlichkeit als auch mit fehlendem Wissen zu tun.
In Österreich können alte Batterien und Akkus kostenlos zurückgegeben oder entsorgt werden Die Rückgabe ist im Handel möglich. Geschäfte, die Gerätebatterien verkaufen, müssen gebrauchte Batterien und Akkus kostenlos zurücknehmen, unabhängig davon, ob dort etwas gekauft wird. Zusätzlich können stehen Altstoffsammelzentren, Wertstoffzentren und kommunalen Problemstoffsammelstellen für die Abgabe zur Verfügung.
Brand- und Explosionsgefahr im Shredder
Verbleiben Akkus oder Batterien in den entsorgten Geräten, kann es für Recyclingbetriebe richtig gefährlich werden. Bei MGG Metrec wird täglich Schrott angeliefert. Gemischte Metall- und Plastikfraktionen, die im Werk getrennt, geshreddert und bis zum Weitertransport zwischengelagert werden. Darunter auch entsorgte Alltagsgegenstände wie Spielwaren, E-Zigaretten, Werkzeuge oder Handys, die teilweise noch Batterien und Akkus enthalten. Durch diese nicht entfernten Energiespeicher können beim Shreddern Brände ausgelöst werden, die das Potential haben, Menschenleben zu gefährden oder hohen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Die Müller-Guttenbrunn Gruppe steuert dieser Gefahr entgegen, indem sie alle neuralgischen Bereiche mit mondernsten Brandüberwachungs- und Brandbekämpfungsanlagen ausgestattet hat. Außerdem werden Akkus und Batterien auf dem Firmengelände bis zum Weitertransport in Sandfässern gelagert, damit etwaige Explosionen oder Brände ohne Folgen bleiben.
Christian Müller-Guttenbrunn, CEO des Unternehmens, kennt das Risiko, das in Müllbergen schlummert. Die darin befindlichen Akkus können monatelang unauffällig bleiben und von einer Sekunde auf die andere wie aus heiterem Himmel zu brennen beginnen. „Auch in unseren Werken sind wir immer wieder mit kleineren Bränden konfrontiert. Meistens entstehen sie tagsüber und werden von den Mitarbeitern sofort gelöscht. Wir sind uns der Thematik bewusst und haben jahrelange Erfahrung darin, wie wir diese Fraktionen am besten lagern. So teilen wir die Abfälle in gewisse Brandabschnitte auf und separieren riskantes Material in kleineren Haufen“. Für die Zukunft wünscht er sich mehr Mülltrenngenauigkeit. „Ich hoffe, dass die Menschen realisieren, dass man Akkus oder Batterien nicht einfach in den Schrott schmeißt, sondern getrennt entsorgt.“
Wow-Effekt versus echter Mehrwert
Neben der richtigen Entsorgung stellt sich zunehmend eine grundsätzliche Frage: Müssen tatsächlich immer mehr Alltagsprodukte mit Elektronik ausgestattet werden? Blinkende Kinderschuhe, leuchtende T-Shirts oder blinkende Grußkarten sind Beispiele für Produkte, deren technischer Nutzen oft überschaubar ist. Meist dienen sie vor allem als kurzfristiger Aufmerksamkeitseffekt oder als Marketinginstrument. Gerade bei Kinderprodukten spielt der „Wow-Effekt“ eine große Rolle. Von leuchtenden Schuhen oder blinkendem Spielzeug werden die Kleinen magisch angezogen. Gleichzeitig werden diese Produkte aber oft nur kurze Zeit verwendet, bevor sie im Müll landen. Die eingebauten Batterien oder Mini-Akkus bleiben dabei häufig unentdeckt.
Natürlich gibt es sinnvolle Anwendungen von Beleuchtung in Bekleidung, etwa reflektierende oder aktiv beleuchtete Sicherheitswesten für Radfahrer, Läufer oder Einsatzkräfte. Dort kann zusätzliche Sichtbarkeit tatsächlich Leben retten. Viele blinkende Konsumprodukte bieten jedoch keinen echten Mehrwert, verursachen aber zusätzlichen Ressourcenverbrauch und erschweren das Recycling. Jede zusätzliche Batterie bedeutet Rohstoffabbau, Energieverbrauch und später ein mögliches Entsorgungsproblem. Gerade bei Billigprodukten sind Akkus häufig fest verbaut und praktisch nicht austauschbar. Dadurch entsteht ein Wegwerfprodukt mit kurzer Lebensdauer und unnötiger Umweltbelastung. Die Diskussion über versteckte Batterien ist daher auch eine Diskussion über bewussten Konsum. Nicht jede technische Spielerei ist automatisch ein Fortschritt. Oft wäre weniger Elektronik im Alltag nicht nur nachhaltiger, sondern auch sicherer.
